Gesellschaft

Die Tragik der Unfähigkeit: Blind gegenüber der eigenen Beschränktheit

Dieser Artikel handelt über Menschen, die so naiv und inkompetent sind, dass sie ihre eigene Unqualifiziertheit und ihre eigenen Fähigkeiten systematisch überschätzen. Diese Inkompetenz hat das Potenzial, den Wert von Wissen und Kompetenz systematisch zu vernichten – das ist das Ergebnis einer inzwischen „klassischen“ Studie der beiden Psychologen David Dunnings und Justin Kruger aus dem Jahr 1999. Ihnen ist es gelungen, die Operationsweise individueller menschlicher Inkompetenz und deren Auswirkung auf Gruppen zu beleuchten.

Als erstes Beispiel führe ich an dieser Stelle ein besonderes Prachtstück aus der Castingshow DSDS auf: „Menderes Bagci ist siebenmal beim Casting zu `Deutschland sucht den Superstar` angetreten und tatsächlich jedes Mal ließ Bagci vor seinem Auftritt freudvoll und strahlend in die RTL-Kamera verkünden, „dass er weiß, er schaffe es, da er ein guter Musiker ist“ und jedes Mal schmiss Dieter Bohlen den miserablen Sänger aufs Neue aus der Show.

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Sieben Mal trat Mercedes Bagci bei DSDS an und wurde stets von Bohlen aus der Show geschmissen. Foto: RTL.de

 

Das zweite Beispiel eines Exemplars, das zu dumm ist, um es selbst zu merken, ist durchaus aktueller: Gemeint ist eine gesellschaftliche Gruppierung, die sich vehement für die Zuwanderung von Invasoren aus repressiv-archaischen Kulturräumen einsetzt und primär auf deutschem Boden zuhause ist. Diese Gruppe von Islamapologeten, die von ihren Gegenspielern gerne „Gutmenschen“ genannt wird, spricht sich für eine barbarische Kultur, die durch ihren religiösen Glauben Gewalt verherrlicht, Frauen verachtet, Kinder misshandelt, Tiere ohne Betäubung ausbluten lässt und auch sonst weit entfernt jeglichem zivilisatorischen Verhalten, westlichen Werten und Sitten ist, aus.

Es sind vor allem jene Menschen betroffen, deren einziger Kontakt mit fremden Kulturen sich auf den abendlichen Besuch im Chinarestaurant oder der Dönerbude um die Ecke reduziert. Aufgrund ihrer Jugend oder der Faulheit fehlen kulturelle Erfahrungen mit der Mentalität und dem Verhalten ausländischer Menschen jenseits der Touristengebiete. Hinzu kommt das Lesen der sog. Qualitätsmedien am Frühstückstisch, die eine gewaltverherrlichende Religion wie der Islam es nun einmal ist, befürworten und dem Leser unterschwellig als etwas Ehrbares anpreisen. Und so ist es nicht wunderlich, dass eben diese Menschen eine schlichtweg vernünftige und politisch souveräne Partei dämonisiert:

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Dabei kannte bereits Charles Darwin diese komplett falsche Selbstwahrnehmung: „Unwissenheit erzeugt viel häufiger Selbstvertrauen als Wissen“, versäumte es aber, diesem Effekt seinen Namen zu verleihen.

Dunning-Kruger-Effekt

Die Entdecker dieses Phänomens, Prof. David Dunning und Prof. Justin Kruger benannten es nach ihrem Namen: Dunning-Kruger Effekt (DKE). Folgerungen aus der Studie sind unter anderem:

  • Inkompetente Menschen treffen falsche Entscheidungen.
  • Inkompetente Menschen realisieren nicht, dass sie falsche Entscheidungen treffen.

Laut den Ergebnissen der beiden Professoren neigt der Menschen bei zahlreichen gesellschaftlichen und intellektuellen Fragen tendenziell dazu, die eigenen Fähigkeiten zu hoch einzuschätzen. Vermutlich tritt dieses Phänomen auf, weil diese unqualifizierten Menschen unter einer zweifachen Bürde leiden: Zum einen neigen sie aufgrund ihrer fehlenden Kompetenz zu falschen Schlussfolgerungen und unvorteilhaften Entscheidungen, zum anderen beraubt sie ihre Beschränktheit gleichzeitig der metakognitiven Fähigkeiten, die sie brauchten, um sich ihrer Ignoranz bewusst zu werden. Paradoxerweise sind ausschließlich Verbesserungen ihrer Kompetenzen notwendig, die ihnen zu metakognitiven Einsichten verhelfen, um ihnen bewusst zu machen, wie naiv sie in Wirklichkeit sind.

Allen Dummen gemeinsam ist ein aufgeblasenes Selbstbild und auch das Fehleinschätzen der Leistungen anderer. Ein Dummkopf an der Macht schafft sich demnach ein Imperium der Idioten, Auch das Phänomen Beratungsresistenz erscheint da plötzlich in einer neuen Facette. Eine interessante Beobachtung ist auch, dass der Selbstüberschätzung von unterdurchschnittlich Leistungsfähigen auf der anderen Seite eine Unterschätzung von Spitzenkräften gegenübersteht: Wirklich überdurchschnittlich fähige Menschen bewerten ihre eigene Kompetenz in diesem Bereich oft als eher zu niedrig. Top-Performer dagegen schätzen sich selbst als schwächer ein als sie tatsächlich sind. Für diese Top-Performer sind ihre eigenen (weit überdurchschnittlichen) Fähigkeiten oft normal und selbstverständlich. Ein weiteres Beispiel des DKE ist im Straßenverkehr zu finden: Während ca. 90% aller Autofahrer ihre eigene Autofahrfähigkeiten besser als der Durchschnitt der Autofahrer einschätzen, liegt bei mindestens 50% der Befragten eine Selbstüberschätzung vor, da jeder die Beurteilungskriterien für sich passend auswählt.

Die Selbstüberschätzung mancher Betroffener geht oft Hand in Hand mit der Schuldzuweisung an Dritte. Bei Misserfolgen oder Niederlagen liegt die Ursache nie beim Betroffenen, sondern immer bei Dritten. Diese krankhafte Haltung, auch Opferrolle genannt, erzeugt bei dem Betroffenen ein Gefühl von Wohlbefinden, verhindert aber ein Problembewusstsein und somit tragischerweise die Lösung der Probleme.

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Zusammenfassend kann man sagen:

  • Inkompetente Menschen überschätzen regelmäßig ihr eigenes Können
  •  Inkompetente Menschen unterschätzen die überlegenen Fähigkeiten von anderen
  • Inkompetente Menschen sind nicht in der Lage, das Ausmaß ihrer Inkompetenz zu erkennen
  • Inkompetente Menschen können durch Bildung ihre Kompetenz teilweise steigern und lernen, sich und andere besser einzuschätzen.

Diese Aussagen sind auf allen Stufen und jeden Kompetenzbereich anwendbar. Alternativ kann der Begriff „Inkompetenz“ auch durch „niedrige Intelligenz“, also „dumm“ ersetzt werden.

Die Studie zum DKE

  • Die Probanden der beiden Professoren wurden gebeten, Aufgaben zu lösen
  • Die Befragten wurden danach gebeten, ihren eigenen „Erfolg“, also ihre Fähigkeiten zu bewerten
  • Sogar die schlechtesten 25% glaubten, die Fragen überdurchschnittlich gut beantwortet zu haben
  • Die besten 25% unterschätzten ihre Fähigkeiten
  • Danach legte man den Befragten die Antworten anderer Teilnehmer vor
  • Die Probanden mit guten Testergebnissen legte man die Ergebnisse der 25% schlechtesten Teilnehmer vor, sie konnten sich danach viel realistischer einschätzen. Sie korrigierten sich nach oben.
  • Bedauerlicherweise halfen den schlechtesten 25% die Testergebnisse der Besseren nicht dabei, ihre Selbstwahrnehmung zu überdenken und zu verbessern. Sie überschätzten sich weiterhin und konnten mit der zusätzlichen Information nichts anfangen.

Bei der Einschätzung des Intelligenzquotienten beobachteten Wissenschaftler ähnliche Sachverhalte. Sie fanden heraus, dass Personen mit niedrigen IQ-Werten ihre geistige Begabung meist überschätzen. Intelligente Menschen können indessen die Intelligenz anderer besser einschätzen, unterschätzen jedoch die eigene.


Mit Material von consens-consult und soft-skills

Die Redaktion Schlüsselkindblog

 

 

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6 replies »

  1. Das Problem wie so oft, jemand wird den schon jetzt gut Kompetenz vorgauckelnden Kurse in aufgesetzter Bescheidenheit und vordergründig wahrhaftigerer Rhetorik anbieten.
    Müssen wir ja bestimmt nicht drüber reden, an wessen grandioser Selbstüberschätzung der Laden zur intellektuellen Bretterbude wurde.

    Gefällt mir

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