Gesellschaft

Resozialisierung: Aggressionen kann man nicht mit aggressivem Sport begegnen»

Muhammed* (21) betrachteten die Aufseher des Gefängnisses Pfäffikon als so gefährlich, dass sie sich nicht trauten, seine Zellentür zu öffnen. Vorher mussten sie ein Polizeiaufgebot hinzuziehen. Die Folge: Der tägliche Hofgang blieb ihm verwehrt. Er litt unter erniedrigenden Haftbedingungen, wie ein am Montag vorgestellter Bericht zeigte. Erst letzte Woche schlug Muhammed wieder zu: Er ging in der Strafanstalt Pöschwies gleich auf sieben Aufseher los, einer musste ins Spital.
Doch ausgerechnet die Behörden haben mit dazu beigetragen, dass Muhammed so gefährlich ist. Als Muhammed 16 Jahre alt war, wurde für ihn in Basel ein „Sondersetting“ organisiert, bei dem er während über einem Jahr Thaiboxen lernte. Typisch an Thaiboxen ist, dass man sowohl Fäuste, Ellbogen als auch die Beine zum Kämpfen einsetzen kann.

Dank des Thaibox-Trainings ist aus Muhammed, der schon als Jugendlicher als untragbar galt, eine Kampfmaschine geworden.

«Aggressionen kann man nicht mit aggressivem Sport begegnen»

Für Strafrechtsexperte und Kriminologe Martin Killias ist es unverständlich und falsch, straffällig gewordene Jugendliche in Kampfsport zu unterrichten. «Sicher ist, dass so trainierte Personen gezielter zuschlagen können. Sie brauchen also weniger Schläge, um jemanden ausser Gefecht zu setzen.»

Killias plädiert schon lange dafür, dass keine Art von Kampfsport zur Resozialisierung eingesetzt wird. Dass man Aggressionen mit einem aggressiven Sport abreagieren könne, ist aus seiner Sicht eine Fehlüberlegung. Es gebe viele Studien, die beweisen würden, dass dies nicht funktioniere.

«Boxtraining im Gefängnis ist kontraindiziert»

Killias verweist auf eine Langzeitstudie mit Jugendlichen aus Norwegen. Diese habe nachweisen können, dass speziell Sportarten wie Boxen, Kraftsport, Wrestling, Thai- und Kickboxen Aggressionen und asoziales Verhalten verstärkten. Der negative Effekt entstehe einereseits durch den Sport selbst, aber auch durch die an den Trainingsorten gelebten Machoattitüde und die dortigen Normen und Ideale.

Für den Strafrechtsexperten ist es darum unverständlich, dass es immer noch Gefängnisse gibt, in denen man Boxen trainieren kann. «Mir ist bewusst, dass es wenig Platz gibt und Kraft- und Boxtrainig deshalb praktischer sind als andere Sportarten, dennoch ist es extrem kontraindiziert», sagt Killias.

Der 21-jaehrige Muhammed liegt auf seinem Bett in der betreuten Wohneinrichtung in Reinach. Bereits in der Untersuchungshaft verbreitete er in Pfäffikon ZH Angst und Schrecken bei Aufsehern und Mithäftlingen, was dazu führte, dass man ihn wochenlang kaum noch aus seiner Zelle liess. Das Verhalten des damaligen 17-Jährigen war so schlimm, dass selbst jahrzehntelang im Haftvollzug tätige Mitarbeiter noch nie so etwas erlebt hatten.
Muhammed wurde im März 2017 erneut zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. In der Justizvollzugsanstalt Pöschwies hat der 21-Jährige nun sieben Aufseher attackiert. Einer von ihnen musste danach ins Spital gebracht werden.

Kein Kampfsporttraining für Jugendliche in einer Massnahme

Offenbar spätestens mit dem Fall Muhammed hat diese Haltung auch die Schweizer Haftanstalten erreicht. Beim Berner Amt für Justizvollzug heisst es, dass in keinem Gefängnis Boxkurse angeboten werden. Die Verurteilten dürften lediglich einen Fitnessraum benutzen.

Beim Zürcher Amt für Justizvollzug gibt es auch in keinem Gefängnis ein Boxtraining. Es könne aber sein, dass am einen oder anderen Ort ausnahmsweise mal ein Boxsack für eine halbe Stunde aufgehängt werde – anstelle des üblichen Sportangebots wie Fussballspielen oder anderen sportlichen Aktivitäten. «Die Kampfkompetenz kann auf diese Weise aber nicht gesteigert werden», sagt Sprecherin Rebecca de Silva.

Bei der Zürcher Oberjugendanwaltschaft, die das Sondersetting von Muhammed bewilligt hatte, sagt Sprecherin Sarah Reimann: «Kampfsporttrainings bei Jugendlichen, gegen die eine Strafuntersuchung läuft oder die sich in einer Massnahme befinden, sind bewilligungspflichtig.» Zurzeit gebe es keinen Fall von einem Jugendlichen, bei dem ein Kampfsporttraining angeordnet und bewilligt worden sei.

*Name geändert

Quelle: 20min.ch

Foto: Profil Monika Saulich ; keystone ;screenshot SRF

 

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6 replies »

  1. Ich verstehe die ganze Aufregung nicht.
    Sog. Experten und Politiker sowieso, haben doch jahrelang behauptet, daß diese „armen Traumatisierten, Fachkräfte, Goldstücke und kulturellen Bereicherer“ auf diese Weise ihre ganze innerlich aufgestaute Aggression los würden. Sich von Seiten dieser „Polit-Experten“ nun dumm und überrascht zu stellen, ist eine bodenlose Unverschämtheit. Schließlich waren sie doch die alleinigen Verursacher dieser Entwicklung und haben diese Gewalt durch ihre ungeheuerliche Blödheit und Ignoranz bewußt gefördert und unterstützt. Allein dafür würde ich ihnen lebenslänglich ohne Aussicht auf Bewährung verpassen. Doch so etwas funktioniert leider nur in einem funktionierenden Rechtsstaat und wo gibt es diesen noch in Europa? Zugunsten muslimischer Verbrecher wurde dieser überall gezielt abgeschafft.

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    • Das war auch mein Gedanke. Warum nicht einen erfolgreichen Thaiboxer engagieren und den Wüstling gegen ihn antreten lassen? Einmal ordentlich und vor aller Augen bei einem fairen Kampf maßgenommen und er dürfte hinsichtlich Eigenverständnis wieder zuhause sein. Vielleicht kneift er schon vorher, wenn die Herausforderung nur öffentlich genug ist.

      Was aber gern verdreht wird: Aggressionen sind Teil der Sozialisierung, wenn auch deren Schattenseite. Wer auf andere losgeht, ist sozial, denn er genügt sich nicht selbst, sondern braucht gesellschaftlichen Konflikt für seine Existenz. Ihm wird das Soziale von den Verantwortlich jedoch gern abgesprochen, um deren Versagen bei der Erziehung zu verschleiern.
      Der Aggressor braucht nicht noch mehr Sozialarbeiter, die auf Kosten der Allgemeinheit ihre Selbstgefälligkeit an ihm auslassen. Er sollte öfter an sich selbst gemessen werden, um ihn erkennen zu lassen, dass er ohne Gesellschaft ein Nichts ist.

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  2. Muhammed* (21) betrachteten die Aufseher des Gefängnisses Pfäffikon als so gefährlich, dass sie sich nicht trauten, seine Zellentür zu öffnen.

    Und? Wo ist das Problem?? Soll’n sie sie zu lassen … und gut is!

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