Wissenschaft

Geisterschiffe der Arktis: Hunger, Mord, Kannibalismus … und wie die Entdeckung von zwei britischen Wracks eines der großen Geheimnisse des Meeres lösen kann

„Der Tod im Eis“

Die schockierende und spannende Geschichte von Franklins letzter Expedition zur Ausstellung im National Maritime Museum, Greenwich, London

Das „Whodunit“ ist eines der größten britischen Seefahrer-Geheimnis aller Zeiten, ein  anhaltenes Faszinosum, dass selbst nach 170 Jahren mit Gerüchten und Spekulationen weitreichende Phantasien auslöst.

Was geschah wirklich mit Rear-Admiral Sir John Franklin und jenen 129 Matrosen auf der HMS Erebus und der HMS Terror, die 1845 die Arktis erforschten, aber niemals aus diesem gefrorenen Ödland je zurückkehrten?

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Der 59-jährige Sir John Franklin, ein auch heute noch bewunderter Seemann, der bei Trafalgar einst kämpfte und die Arktis dreimal zuvor umsegelte

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Diese Zeichnung illustriert die HMS Erebus und HMS Terror im Eis, während der Expedition gefangen, obwohl kein Lebender wirklich wissen konnte, was tatsächlich geschah

Im Laufe der Zeit ist eine legendäre Geschichte von Männern gewachsen, die gegen Hunger, Krankheit und extreme Elemente kämpfen mussten, um am Leben zu bleiben, aber auch eine verblüffende Geschichte unerklärlicher Todefälle, mit Gerüchten über möglichen Mord, Selbstmord und sogar Kannibalismus.

Jetzt aber gibt es endlich den langersehnten Durchbruch mit der aktuellen Ausstellung, „Tot im Eis“, im National Maritime Museum in Greenwich/London.

In den Jahren 2014 und 2016 wurden die Wracks von „Erebus und Terror“ in den Tiefen entdeckt und marine Archäologen, sind seitdem eifrig damit beschäftigt, diese zu untersuchen. Die Ausstellung zeigt die vorläufigen Ergebnbisse – und die dabei gewonnen überraschenden Ergebnisse, verlangen jetzt ein vollständiges Umdenken der Saga von Sir John Franklins, epischer, letzter Reise.

Die Schiffe und ihre Besatzungen verloren sich auf einer Royal Navy Expedition, um auch den letzten 900-Meilen-Abschnitt der legendären North-West Passage zu finden und auszuwerten – ein Seeweg durch die Meere, die den Nordatlantik mit dem Pazifik über den Polarkreis verbindet.

Sie segelten in das große Unbekannte hinaus und versuchten, sich von der Baffin Bay bis zur Beringstraße, zwischen tausenden von Inseln, große und kleine, wo eisbedecktes Land und gefrorenes Meer immer wieder miteiander verschmelzen und Eisberge den Weg blockieren, hindurch zu schlängeln.

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John Rae (Foto), ein schottischer Forscher, kehrte mit Geschichten zurück, die die Inuit sich erzählten. Sie berichteten so wörtlich von einer gespenstischen Geister-Gruppe von kranken, hungrigen und verzweifelten „qalunaaq“ (weißen Männer), die über das Eis liefen, bis sie tot umfielen

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Experten setzen „Pionier-Rekonstruktionstechniken“ an Schädeln (Foto) ein, die vermutlich von Besatzungsmitgliedern stammen und bereits im Jahre 1993 gefunden wurden

Die Männer setzten sich immer weiteren Schwierigkeiten aus, und erlebten dabei den Winter so hart dass selbst die Inuit, die Eingeborenen der kanadischen Arktis, sie für außergewöhnlich hielten. Im Kommando stand der 59-jährige Franklin, ein einst bewunderter Seemann, der bei Trafalgar kämpfte und die Arktis dreimal zuvor umsegelte. Dennoch scheiterte er kurz zuvor als Gouverneur der britischen Kolonie in Tasmanien, der er gewesen war und versuchte seitdem verzweifelt seinen Ruf wiederherzustellen, indem er freiwillig, diese gewagte Expedition anführte. Die Admiralität war wegen seines fortgeschrittenen Alters besorgt, nickte die Mission dann aber dennoch ab.

Die Schiffe Erebus und Terror waren wie auch Franklin selbst, Veteranen des Eises, die bisherige Expeditionen in die Arktis und auch Antarktis überlebten.

Die Rümpfe der Segler wurden mit Eisenblechen verstärkt, um den gefrorenen Meeren zu trotzen, und sie waren sogar mit dampfgetriebenen Propellern ausgerüstet, die das Wasser in Bewegung hielten, wenn die Segler ankerten und die Kälte drohte, sie mit Eis einzusschliessen. Die Offiziere und Männer an Bord waren die Besten in der Marine, jeder von ihnen ein Freiwilliger für eine Reise, die bis zu drei Jahre dauern sollte.

Kart

Im Mai 1845 verließen die Schiffe die Themse um in Richtung Norden zu segeln. Im Juli erreichten sie Grönland, und im August wurden die großen Masten ihrer Segler auf dem Weg in die Nordwestpassage von Walfängern zwischen Grönland und Kanada entdeckt.

Anschließend wurde von ihnen nie wieder etwas gehört oder gesehen. Das Geheimnis nahm seinen Lauf.

Zwei volle Jahre lang unternahm die Admiralität nichts und drückte ihr „unbegrenztes Vertrauen in die Fähigkeiten und der Ausrüstung von Sir John“ aus. Bei Freunden aber, auch innerhalb der Familie, wuchs unterdessen die Angst, insbesondere bei Franklins Frau Jane, die jetzt energisch an ein Handeln appellierte.

Schließlich wurden Schiffe ausgesandt, die in den östlichen und westlichen Enden der Passage suchen sollten. Insgesamt werden im darauf folgenden Jahrzehnt mehr als 30 Suchteams in Marsch gesetzt – einige ganz uneigennützig, andere wiederum inspiriert von einer hohen Belohnung, die heutzutage 1,5 Millionen britische Pfund entspräche, für eine erfolgreiche Rettung, ausgesetzt von der Admiralität. Dennoch wurden keine Spuren der Schiffe gefunden. Dann jedoch wurden im Jahre 1850 drei Gräber auf einer Insel, ganz in der Nähe vom Anfang der Passage entdeckt und brachten die gefrorenen und intakten Körper von zwei Matrosen und einem Zivilisten der königlichen Marine hervor. Von den übrigen Besatzungen gab es aber auch weiterhin keine Hinweise. Ihr Schicksal wurde zwischenzeitlich zu einer viktorianischen Besessenheit, eine fixe Idee, die endlose Debatten, Bücher, Zeitschriftenartikel und sogar Volkslieder hervorbrachte. Geistliche schlossen sich an und behaupteten, Visionen der verlorenen Seelen gesehen zu haben. (:-)

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Dann endlich, im Jahre 1853 – acht lange Jahre nachdem die Erebus und die Terror Segel setzten, kam ein bedeutender Hoffnungsschimmer auf, der die Not der Besatzung erkennen ließ. John Rae, ein schottischer Forscher kehrte mit Geschichten zurück, die er von den Inuit (Einheimische der arktischen Regionen) hörte. Sie erzählten von einer gespenstischen Geister-Gruppe, von kranken, hungrigen und verzweifelten „qalunaaq“ (weiße Männer), die über das Eis liefen, bis sie tot waren.

Die Inuit erzählten, sie hätten viele Leichen gefunden und sogar Kochtöpfe mit Körperteilen darin.  Die offensichtliche Schlussfolgerung daraus war, dass verhungernde Männer auf das zurückgriffen, was der Arktis-Forscher Rae schließlich als „die-letzte-Überlebens-Angst-Alternative“, (​​Kannibalismus) beschrieb. Raes Entdeckungen waren damals ein massiver Schock für die britische Öffentlichkeit, und ein empörter Charles Dickens verurteilte gar die Überlegung, dass britische Helden sich hätten hinreißen lassen können, sich gegenseitig aufzuessen.

Argumente für und wider wüteten, aber mit Raes‘ Beweisen schien das Schicksal der Männer eindeutig zu sein. Die Admiralität erklärte die Mitglieder der Expedition somit für tot und zahlte den noch ausstehenden Lohn der Männer, ihren Verwandten aus.

Jane Franklin aber hatte nichts davon – weder Geld noch irgend ein Idee, dass jegliche Hoffnung dahin war. Sie protestierte, dass es noch Überlebende geben muss, die von Fischen oder Polar Bären sich ernähren könnten. Etwa 12 Jahre nachdem die Expedition in Vergessenheit geriet, finanzierte sie ihre eigene Suchmission mit dem arktischen Forscher Leopold McClintock. Auf der „König William Insel“, stieß McClintock auf Inuit, die in ihrem Besitz Silber Löffel und Gabeln, sowie andere Gegenstände aus der Franklin-Expedition bei sich hatten. Sie erzählten ihm, wie Schiffe im Eis ganz in der Nähe strandeten und von Leichen im Schnee.

McClintock und sein Team fanden drei Skelette und ein 28 Fuss langes Rettungsboot zu einem Schlitten umgerüstet, mit reichlich Stiefeln, Handtüchern und Tabak darin. Am aufschlussreichsten von alle dem, war eine handgeschriebene Botschaft inmitten eines Steinhaufes, die Anweisungen enthielt, dass jeder, der es findet, es an die Admiralität weiterleiten sollte. Die Nachricht enthielt die Position von Erebus und Terror, und verwies auf die Schiffe und ihre Besatzungen, die auf dem Eis 1845-46 überwinterten und erklärten, dass „alles gut sei“

Aber, vom 28. April 1848 an, wurde mehr gekritzelter Text hinzugefügt, der eine viel detailreichere Geschichte erzählte. Jetzt wurde mitgeteilt, daß die Schiffe mittlerweile seit 20 Monaten an diesem Ort gefangen waren; Dass Franklin tot sei (seit fast einem Jahr), so waren es 23 verbliebene Besatzungsmitglieder und die restlichen 105 Seelen verließen die Schiffe. Diese Botschaft wurde von James Fitzjames, Kapitän der Erebus, und Francis Crozier, Kapitän der Terror unterzeichnet, der, als Franklin starb, schließlich Kommandant der zerfallenden Expedition wurde.

McClintock eilte mit seinen Erkenntnissen zurück London und etablierte seine Erkenntnisse, die von nun an, als die Wahrheit über das traurige Schicksal von Franklins Expedition offiziell anerkannt wurde.

Die Schiffe strandeten im Eis im Nordwesten der König William Insel, wobei die Vorräte nach 3 Wintern aufgebraucht waren. Die Männer waren Helden, die versuchten sich zu retten, indem sie über das Eis liefen, um auf die andere Seite der Insel zu gelangen, aber dann einer nach dem anderen, der Erschöpfung, Hunger, Erfrierungen und Krankheit zum Opfer fielen. Die Anschuldigungen von Kannibalismus konnten nunmehr widerlegt werden, so die offiziell, anerkannte Geschichtsschreibung. Hier wurde stattdessen eine Legende von britischem Stolz in einem ikonischen viktorianischen Gemälde zusammengefasst, dass heute im „National Maritime Museum“ hängt, in dem Franklin und seine Männer in einer Darstellung, im Schnee sterben. Was blieb und weiterhin fehlte, waren die eigentlichen Schiffe. McClintock berichtete, wo Erebus und Terror lagen, nahm aber an, dass niemand mehr sich an Board befinden würde, so sah er dann auch keinen Sinn darin, sie zu finden. Somit blieb auch in den anschließenden anderthalb Jahrhunderten ihre Position weiterhin unbekannt, stets angenommen, sie wären für immer verloren.

Dann aber, im Jahr 2014 konnte mit einer intensiven und von der kanadischen Regierung autorisierten Suche, die Position der HMS Erebus festgestellt werden und schließlich zwei Jahre später, wurde auch die HMS Terror gefunden.

Heute ruhen die Wracks auf dem Meeresboden, aufrecht und erstaunlich intakt und erwarten weitere Untersuchungen von Tauchern und Meeresarchäologen. Viele Reliquien wurden bereits an die Oberfläche geholt – die Schiffs Glocke von Erebus, eine Sechs-Pfund-Kanone, der vergoldete Griff eines Offiziersschwerts, und chinesische Porzellanteller aus der Galeere.

Es ist erstaunlich, dass die Schiffe mehr als 100 Meilen von wo aus ihre Besatzungen sie aufgegeben haben, gefunden wurden. Es wäre durchaus denkbar, dass sie durch die stetige Bewegung, ein driften des Meereises, im Laufe der Zeit, von ihrem ursprünglichen Standort fortbewegt wurden. Aber es gibt auch realistische Überlegungen, dass die Schiffe zu ihren letzten Liegeplätzen segeln könnten. In diesem Fall müssten die Schiffe irgendwann nur mit einer neuen Mannschaft wieder besetzt werden.

Bedeutsam bleibt, dass die HMS Terror verankert zu sein scheint – was hätte nur geschehen können, wenn es eine Besatzung an Bord gegeben hätte. – Und sollte das stimmen, dann bleibt der Gedanke an Franklins Männern aufrecht, die heroisch zusammen standen, als eine disziplinierte und britische militärische Einheit, die hartnäckig den Schneestürmen trotzte, bis auch der allerletzte Mann zusammenbrach und verstarb.

Die HMS Terror könnte jetzt die Antworten enthalten, nach der jederman sucht. Sie sitzt in 150 Fuss tiefen Wasser, ihre Luken sind geschlossen und die Glasfenster scheinbar noch intakt. In solch einer hermetisch, kalten Umgebung, können Briefe oder Dokumente unbeschädigt bleiben. Vielleicht ist das Logbuch des Schiffes oder ein Tagebuch dort noch erhalten, versiegelt in einem wasserdichten Behälter – irgendetwas, was das langwierige Geheimnis lüften könnte, was tatsächlich mit den verlorenen Seelen geschah, die einen Weg aus dem Eis suchten und nie zurückkehrten.

 

Übersetzt von Gaby Kraal aus der dailymail für den Schlüsselkindblog

 

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10 replies »

      • Vielleicht mal ein ein Wochenend- Trip nach England wagen?

        Danke für das Angebot, aber: In diesem Leben nicht mehr (nach GB oder auch nur nach England). 😥

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  1. Eine Tolle Geschichte.
    Und auch wichtig, dass das Schicksal dieser Männer nicht in Vergessenheit geraten tut, dank der Nachforschungen und der Erkenntnisse sowie derjenigen, die darüber berichten.

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    • Das wird in Bälde ohnehin alles korrigiert werden, denn es steht doch im Prinzip bereits heute fest, daß nur muslimische Seeleute die Arktis erkunden konnten. Und die hatten selbstverständlich Erfolg, denn: Allah ist mit den Standhaften!! 😥 😥

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