Politik

Strom kommt aus der Steckdose: Grüne Degeneration

Die Grünen bekräftigen ihre Forderung, alle Autos mit Verbrennungsmotor ab 2030 zu verbieten. In diesem Ziel stecken allerdings ein paar entscheidende Denkfehler. Ein Kommentar von Sebastian Viehmann.

Die Grünen haben einen neuen Endgegner: Das Auto. Während der Kampf gegen die Atomkraft erfolgreich ausgefochten wurde – sogar mit einem breiten gesellschaftlichen Konsens – geht es nun um das Ende des Verbrennungsmotors. Und das am besten gestern. Das Motto lautet – übrigens wortwörtlich: „Wir gehen in den Fight gegen die Klimagegner“.

Wie man „gegen das Klima“ sein kann, wurde zwar nicht näher erläutert, dafür gibt es aber konkrete Pläne. Neben SUV-Strafsteuern zugunsten von Elektroautos und bundesweiten Diesel-Fahrverboten fordern die Grünen erneut, dass ab 2030 ausschließlich „abgasfreie Autos“ gebaut werden dürfen. In den Städten soll der Autoverkehr zugunsten des Radverkehrs zurückgedrängt werden. Zudem sprechen sich die Grünen dafür aus, den öffentlichen Nachverkehr stark auszubauen.

Elektrisch um jeden Preis?

Bessere Taktfrequenz und günstigere Preise bei Bus und Bahn? Das klingt in der Tat nicht schlecht und würde so manchen Städter freuen, selbst wenn er sein Auto heiß und innig liebt.Doch Benziner und Diesel, Autogas und Erdgas komplett verbieten, um damit die Elektromobilität durchzupeitschen?Was für ein Blödsinn. Vier Gründe, die gegen das Verbot sprechen.

1. Der geplatzte Traum vom emissionslosen Elektroauto

Für die Grünen kommt der Strom aus der Steckdose. Anders ist nicht zu erklären, dass sie in einer Art naivem Öko-Populismus das Elekt1roauto als „emissionslos“ verkaufen wollen . Doch wie sieht die Realität aus?

  • Schon bei der Produktion der nötigen Batterien ist die CO2-Bilanz eines Elektroautos keineswegs so gut, wie man glauben mag. Mal abgesehen davon, dass man die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen (Öl) beim E-Auto durch die Abhängigkeit von anderen Rohstoffen (Lithium) ersetzt. Das mag das kleinere Übel sein, schafft aber neue Probleme, zum Beispiel: Wie entsorgt man Millionen Batterien oder sorgt für eine sinnvolle Wiederverwertung? All das sind sicher lösbare Probleme – sehen muss man sie trotzdem, auch durch die rosarote Stromer-Brille.
  • Wie „klima-freundlich“ ein Elektroauto betankt wird, hängt stark vom jeweiligen Strommix ab. Beim derzeitigen Strommix mit unter 30 Prozent erneuerbaren Energien ist ein Elektroauto mit 100 Kilometern Reichweite genauso klimafreundlich wie ein hochmoderner Diesel-Pkw. Steigt die Reichweite auf 250 Kilometer, ist die CO2-Bilanz schlechter als die eines Benziners, wie das Institut für Energie- und Umweltforschung (Ifeu) errechnet hat. Grund: Die etwa dreimal so große Batterie, bei deren Herstellung große Mengen des Treibhausgases frei werden.
  • Beim Hype um das Elektroauto begeht man einen erheblichen Denkfehler: Stromer und Plug-In-Hybride sind zwar zum Teil durchaus überzeugende Alternativen zu Diesel- und Benzinfahrzeugen. Aber sie lösen ihr Reichweiten- und Verbrauchs-Versprechen nicht ein. Während die Autoindustrie bei Diesel- und Benzinmotoren (und das natürlich nicht zu unrecht) dafür am Pranger steht, dass Verbrauchs- und Emissionsangaben nicht stimmen, scheint das bei Elektroautos und Plug-In-Hybriden kein Problem zu sein. Dabei zeigt die Praxis, dass sich die versprochene Reichweite unter bestimmten Bedingungen (z.B. im Winter) geradezu halbiert. Völlig realitätsfremd sind die Verbrauchsangaben bei Plug-In-Hybriden, wenn diese bei erschöpfter Batterie im Hybridmodus gefahren werden (müssen).
  • Das bedeutet: Je mehr Strom in der Realität gezapft werden muss beziehungsweise je mehr Sprit bei Hybriden tatsächlich getankt werden muss, desto enttäuschender ist die Bilanz. Es wird Zeit, dass auch die Grünen die Elektromobilität mit all ihren Vor- und Nachteilen realistisch bewerten.

2. E-Mobilität ist Mobilität für Reiche

Nicht jeder Pendler, der sich morgens im Auto durch den Stau zur Arbeit quält (oft übrigens mangels passender Alternativen im Nahverkehr), hat das Geld übrig, um seinen Diesel oder Benziner zu verschrotten und dafür ein Elektroauto zu kaufen. Es wäre ohnehin das erste Mal in der Geschichte der Autoindustrie, dass ein Käufer freudestrahlend ein Fahrzeug kauft, das nicht mehr kann als sein bisheriges, sondern weniger. Familientaugliche Elektroautos wie ein Tesla oder ein großer Plug-In-Hybrid sind im Budget der meisten Deutschen einfach nicht drin, Kaufprämie hin oder her. Dazu kommt: Nicht jeder hat seine eigene Garage, in der er mit einer (auf eigene Kosten installierten) Ladestation sein Fahrzeug auch aufladen kann. In gemeinschaftlich genutzten Garagen ist die Sache noch komplizierter .

3. Blind für andere Konzepte

Der vielleicht größte Vorteil eines Autos mit Verbrennungsmotor: Der Tankvorgang dauert nur ein paar Minuten. Trotz Schnellladung bleibt beim Elektroauto – vor allem in der Praxis, wo Ladestationen zum Teil nicht die versprochene Power liefern – die Ladezeit ein erhebliches, für viele Autofahrer nicht akzeptables Problem. Mit dem elektrischen Wasserstoffauto lässt sich dieses Problem zwar lösen , doch es gibt auch andere Alternativen:

  • Das Erdgasauto hat eine bessere Schadstoff-Bilanz als Diesel oder Benziner. Wird das Erdgas mit regenerativen Energien produziert, wird das Ganze noch interessanter. Zwar konnten sich bislang nicht viele Autofahrer für Erdgas (CNG) erwärmen, doch im Wettrennen um das Auto der Zukunft sollte Erdgas zumindest die gleiche Chance erhalten, anstelle durch Verbrenner-Verbote das Elektroauto einseitig zu bevorzugen.
  • Autogas schlägt sich beim Schadstoffausstoß ebenfalls besser als Benziner und Diesel.

Unterm Strich: Elektroautos werden sich nur durchsetzen, wenn sie auch für die Käufer überzeugend genug sind. Oder eben in der von den Grünen favorisierten Art und Weise: Fahrverbote für Dieselfahrzeuge und Strafsteuern für alle, die elektrische Zwangsbeglückung nicht als echte Beglückung empfinden. Quasi eine Elektro-GEZ, die alle Alternativen wieder besseren Wissens vom Tisch fegt.

Diesel, Benziner, 2030, Verbot

CAMDer Marktanteil von Elektroautos und Plug-In-Hybriden im Jahr 2016

4. Die „guten Arbeitsplätze“ in China

„In Norwegen und den Niederlanden, in China und den USA bauen und kaufen sie neue Elektroautos. Das sind die Länder, in denen es in Zukunft auch weiter viele gute Arbeitsplätze in der Autoindustrie geben wird. Wieso nicht auch in Deutschland?“ fragen sich die Grünen. Ja, warum? Vielleicht, weil schon allein die Frage selten dämlich ist?

  • Thema USA: Wer glaubt, dass die US-Autoindustrie in wenigen Jahren mehrheitlich auf Elektroautos setzt, verkennt völlig, dass Stromer und Hybride vor allem ein Phänomen im reichen Kalifornien und einigen anderen Metropolregionen sind (und schon immer waren). Die Wachstumraten der E-Mobilität in den USA können nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Marktanteil immer noch bei deutlich unter einem Prozent vor sich hin dümpelt.
  • Und die anderen Länder? Mal abgesehen davon, dass weder die Niederlande noch Norwegen bislang durch eine eigene Autoindustrie aufgefallen wären, ist China zweifellos der globale Vorreiter in Sachen E-Mobilität . Ob in diesem autoritären System jetzt aber wirklich „gute Arbeitsplätze“ nach deutschen Arbeitsschutz-, Arbeitszeit- und Entlohnungsmodellen entstehen, fragen die Grünen vielleicht besser mal die Mitarbeiter von Foxconn.
  • Notiz am Rande: Wie die Chinesen (abgesehen von Kohlekraftwerken) ihre zum Aufladen der Elektroautos nötige Energie produzieren, dürfte den Grünen nicht schmecken: Bis 2030 will China mehr als 100 Atomkraftwerke in Betrieb haben. Viele davon befinden sich gerade im Bau.
  • Dass es in Deutschland angeblich keine Arbeitsplätze im Bereich Elektroautos gibt oder geben wird, entpuppt sich im Übrigen als zweifelhafte Aussage, wenn man etwa an die Investitionen von BMW, Daimler oder Porsche denkt .
  • Vielleicht meinen die Grünen mit „guten Arbeitsplätzen“ aber ja so etwas wie  die geplante Borgward-Fertigung in Bremen?  Also eine als „deutsche Traditionsmarke“ getarnte China-Marke, die in China produzierte Autos als Bausätze nach Deutschland verschifft, dort zusammenklöppeln lässt und dann als „Made in Germany“ unter die Leute bringt? Glückwunsch – Chinesen würden bestimmt Grün wählen. Allerdings nur in Deutschland.

Fazit

Der grüne Verbots-Wahn ist nicht nur weltfremd, sondern wäre für die deutsche Industrie ein Desaster und schon gar nicht das versprochene Klima-Heilsversprechen, als das die Grünen es verkaufen wollen. Ob und wann sich nun das reine Elektroauto, das Wasserstoffauto oder alternative Kraftstoffe durchsetzen, entscheidet allein der Markt und nicht die ökologische Planwirtschaft. Die Politik kann dafür bestimmte Rahmenbedingungen schaffen und die Infrastruktur bereistellen – nicht mehr und nicht weniger.

Die Elektromobilität ist ein wichtiges – aber eben beileibe nicht das einzige – Standbein in den Zukunftsplänen deutscher Autobauer. Wer das nicht mitbekommen hat, sind die Grünen: NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann zum Beispiel, die im Wahlkampf einen Toyota-Hybriden durch die Gegend fuhr und auf die Frage, warum man denn kein deutsches Hybridauto gewählt habe, allen Ernstes die doppelt dämliche Antwort gab : „Weil leider die deutsche Automobilindustrie noch nicht so weit ist. Auch darum testet das Umweltministerium Tesla!“ Wer a) ein Elektroauto nicht von einem Plug-In-Hybriden unterscheiden kann und b) nicht weiß, dass die deutsche Autoindustrie bereits zahlreiche Stromer und Hybride anbietet, der sollte sich überlegen, ob man mit Singen und Klatschen in der Schule wirklich schon das Zeug zum Regieren erworben hat.

Von Sebastian Viehmann

Foto: Grüner Maki-Frosch

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14 replies »

  1. Unlängst kursierte eine Berechnung über die CO2-„Belastung“ beim Tesla Model S.
    Angeblich ist dieses Auto erst nach etwa acht Jahren Dauergebrauch klimaneutral – aber auch nur dann, wenn dessen Batterie zwischenzeitlich nicht ausgetauscht wird.
    Reine Augenauswischerei, das Argument mit der Umweltbelastung. Letztlich wird das Problem in das Erzeugerland verschoben.

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  2. Was ist ,,erneuerbare Energie“? Hat da jemand eine bahnbrechende Erfindung gemacht und ich habe es nicht mitbekommen? Wer war der Genius, der die Naturgesetze auf den Kopf gestellt hat?

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  3. Das Titelbild ist mal wieder herzallerliebst. Woher haben sie dieses seltene Bild? Niemals zuvor wurde ein Embryonalphoto von Claudia Roth der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

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