Politik

Ein Immobilien-Tycoon in Sim City

Gentrifizierung mit Putzschwamm und Eimer

Joel Wiener jetzt Milliardär – Dieser Mann ist der verhassteste Vermieter New Yorks – aber nichts hält ihn auf

Es gibt eine Anti-Wiener-Gruppe, er landete mehrfach wegen Mietwucher vor Gericht, doch nichts kann Joel Wiener stoppen. Einer der größten Vermieter New Yorks hat jetzt einen neuen Meilenstein gesetzt.

Es gibt kaum Unternehmer, die mehr Wohnungen in New York besitzen als Joel Wiener. Und kaum einer ist in der Stadt so verhasst wie der 68-Jährige. Unzählige Male ist er vor Gericht gelandet, weil er unverschämt hohe Mieten verlangen soll oder mit notwendigen Reparaturen in seinen Immobilien knausert. Politiker schießen gerne gegen Wiener, vor allem, wenn es um Wählerstimmen geht, und seit 2005 existiert sogar eine Anti-Wiener-Aktionsgruppe, die mögliche Mieter und Käufer vor dem Investor warnt.

„Die Belästigung im Nadelstreifenanzug“

Und trotz allem ist Wiener nicht aufzuhalten. Laut dem Bloomberg Billionaires Index hat er jetzt erstmals eine Milliarde Dollar auf dem Konto, zehn Mal so viel wie noch vor 15 Jahren. Die von ihm gegründete Pinnacle Group verwaltet 10.000 Wohnungen in der Metropole im Gesamtwert von zwei Milliarden Dollar.

Wieners Taktik für den Weg an die Spitze war ebenso einfach wie perfide. Er sucht im Stadtgebiet nach heruntergekommenen Wohnungen in möglichst guter Lage, die er günstig aufkaufen kann. Dann renoviert er die Häuser und hebt danach legal die Mieten in Höhen an, die sich die Mieter meist kaum leisten können. Viele waren schon vorher in Rückstand.

Kritiker sagen, er vertreibt die armen Mieter aus ihren Wohnungen, um Platz für Neureiche zu schaffen, die Unsummen für ein nettes Appartement in der Stadt hinlegen. „Die Belästigung kommt im Nadelstreifenanzug“, sagt etwa Kim Powell, die die Anti-Wiener-Gruppe 2005 gegründet hat.

„Putzen wirkt auf viele schon wie Gentrifizierung“

Wer auf Wieners Seite steht, hat dazu eine andere Meinung. Ken Fisher, sein Anwalt, sagt gegenüber Bloomberg: „Das erste, was Wiener in einem neuen Haus macht, ist, dass er in den Keller geht und schaut, ob der Heizkessel funktioniert. Dann geht er zum Werkzeugraum des Hausmeisters und schaut, ob da alles in Ordnung ist, und zum Schluss, ob die Treppen in den oberen Stockwerken geputzt wurden.“

Würden solche Gebäude einfach nur einmal richtig durchgereinigt, „wirkt das auf alteingesessene Mieter oft schon wie eine Gentrifizierung – dabei ist es nur gutes Management“. Zu den Vorwürfen des Mietwuchers wollte sich Fisher aber ebenso wenig äußern wie zum Vermögen seines Mandanten.

Joel Wiener stammt aus einer Familie von Immobilien-Investoren. 1990, mit 41 Jahren, trat er ins Geschäft ein und fokussierte sich schnell auf die heruntergekommenen Häuser New Yorks, in denen die Mieter oft mit ihren Mieten im Rückstand sind. Binnen zehn Jahren war er so erfolgreich, dass mehrere milliardenschwere Immobilienfonds ihm Geld gaben. Zur Jahrtausendwende soll sein Vermögen die 100-Millionen-Dollar-Schwelle überschritten haben.
Wiener oft vor Gericht

Seine aggressive Taktik hat ihn des Öfteren vor Gericht gebracht. Der aufsehenerregendste Prozess lief ab 2007, als mehrere Mieter Wiener verklagten. Er habe Mieten so sehr angehoben, dass sie die vorherigen Renovierungskosten bei weitem überstiegen, außerdem habe er vielen Mietern unberechtigterweise gekündigt. Vier Jahre lang stritten die Parteien vor Gericht, am Ende zahlte Wiener einen Vergleich von 1,1 Millionen Dollar – viel weniger, als von den Klägern gefordert.

Ein anderer Rechtsstreit läuft seit 2002: Unter einem seiner Häuserkomplexe in Brooklyn will Wiener eine Tiefgarage bauen. Die Mieter mehrerer Häuserblöcke fürchten, dass dies die Stabilität der Häuser gefährden würde. Bis heute ist keine Garage gebaut, trotzdem stieg der Wert der Immobilie von 16,5 Millionen Dollar 2002 auf 43 Millionen Dollar zehn Jahre später. Joel Wiener ist eben nicht aufzuhalten.

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Alte Wohnungen wie diese in Harlem sind die Beute von Joel Wiener Foto: shutterstock/stockelements

Von Christoph Sackmann

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