Wissenschaft

Hamburg vor 1000 Jahren – eine Stadt entsteht

Hamburg vor fast 1000 Jahren

Nur vereinzelt siedeln Menschen zwischen Alster und Elbe. Verglichen mit unserer heutigen Zeit war das Mittelalter ganz schön düster. Wie Hamburg dann zu strahlen begann, soll bald eine Ausgrabung in der Neustadt offenlegen.

50 Männer aus Flandern und Friesland sollten Hamburg damals quasi neu gründen, sagt Rainer-Maria Weiss, Chef des Helms-Museums, beim Pressetermin in der Krypta von St. Nikolai. Sie waren angeworben worden, um „eine echte Kaufmannsstadt“ aus der dünn besiedelten Fläche zu machen. Die Kaufleute lebten in einfachen Holzhäusern auf dem Gelände der brachliegenden Neuen Burg; heute steht dort das Nikolai-Mahnmal. Die Grundstücke wurden ihnen geschenkt – ein Köder, um sie in die Stadt zu locken.

Kupferstich von 1587 gilt als die erste Karte Hamburgs

Hamburg: Dieser Kupferstich von 1587 gilt als die erste Karte Hamburgs

So berichtet Chef-Archäologe Weiss vom Leben in der Neustadt um 1188. Leider sei aus archäologischer Sicht nur wenig über die damalige Zeit bekannt, sagt er. Doch nun könnten die Forscher erstmals die Möglichkeit bekommen, eine „lückenlose Chronologie“ archäologisch aufzuarbeiten.

Erste Untersuchungen haben gezeigt, dass rund um das Mahnmal spektakuläre Funde zu erwarten sind: Bereits im Sommer habe man wenige Zentimeter unter der Asphaltdecke Hausstrukturen aus dem 17. bis 18. Jahrhundert entdeckt.

Erste Untersuchungen haben gezeigt, dass rund um das Mahnmal spektakuläre Funde zu erwarten sind: Bereits im Sommer habe man wenige Zentimeter unter der Asphaltdecke Hausstrukturen aus dem 17. bis 18. Jahrhundert entdeckt.

Bisher sei man davon ausgegangen, dass unter anderem durch den großen Stadtbrand „alles so umgekrempelt ist, dass archäologisch eigentlich nichts mehr da sein sollte“, so Weiss. Ein Irrtum! Und so könnten nun eben auch neue Details über die Gründung Hamburgs als Kaufmannsstadt bekannt werden. Nach dem Ende der Frostperiode soll die zwölfmonatige Ausgrabung beginnen. Kostenpunkt: 1,1 Millionen Euro.

Ausgrabungen in der City Hier liegen Hamburgs Wurzeln als Kaufmannsstadt

Eigentlich sollte nur das Nikolaiviertel aufgehübscht werden – doch dann das! Bei Umbauarbeiten wurden Reste einer frühzeitlichen Bebauung entdeckt. Und die haben es in sich, denn sie liefern bedeutende neue Erkenntnisse über die Stadtgeschichte Hamburgs.

Die städtischen Archäologen sind aus dem Häuschen: Die verschiedenen Funde im geschichtsträchtigen Straßenbereich Neue Burg, Nikolaikirche und Trostbrücke geben Aufschluss darüber, wie Hamburg früher aussah: So wurden auf den Ruinen der „Neuen Burg“, der Nachfolgerin der berühmten Hammaburg, Parzellen sichtbar, die aus dem 12. Jahrhundert stammen und die Gründungsphase der Hamburger Neustadt verdeutlichen – Hamburgs Wurzeln als Kaufmannsstadt. Zudem wurden Hausgrundrisse aus dem 17. und 18. Jahrhundert entdeckt. Anhand der Funde auf der Grabungsfläche werden demnach zwei Epochen sichtbar.

Trotz vielfältiger Zerstörungen durch den großen Hamburger Stadtbrand und das Bombardement im Zweiten Weltkrieg, ist der Zustand der Fundstücke sehr gut. Hamburgs Chef-Archäologe Rainer-Maria Weiss: „Die Hölzer, die wir ausgegraben haben, sind in hervorragendem Zustand.“ Er wird die weiteren einjährigen Ausgrabungen leiten.

Hoffnung auf spektakulären Fund: Wohnten hier die ersten Kaufleute?

Im Schatten der Ruine von St. Nikolai erhofft sich Hamburgs Chef-Archäologe Rainer-Maria Weiss spektakuläre Funde, die Auskunft geben über das Leben in Hamburg vor 1000 Jahren. Am Montag wird er auf einer Pressekonferenz darüber berichten. Das Geld für die Ausgrabungsarbeiten wollen Politiker von SPD und Grünen in der Bürgerschaft für zwölf Monate bereitstellen.

Hamburg vor rund 1000 Jahren. Ein winziges Nest. Die Hammaburg am Speersort, die der Stadt den Namen gab, ist von Wikingern zerstört. Deshalb lassen die Schauenburger Grafen, die Herren der Stadt, nur einen Steinwurf entfernt die sogenannte Neue Burg erbauen, dort, wo heute die Nikolaikirche steht – eine gewaltige Anlage mit einem Gesamtdurchmesser von 160 Metern.

200 Jahre später entsteht an der Stelle der Neuen Burg eine Kaufmannssiedlung – die Keimzelle des modernen Hamburg. 40 Kaufleute, die vermutlich aus Holland, Friesland und Westfalen kommen, siedeln sich an. 1189 folgt der Freibrief Kaiser Friedrich Barbarossas, der den Schiffen auf der Elbe bis an die Nordsee Zollfreiheit gewährt. Damit beginnt der Boom der Handelsmetropole Hamburg.

In den vergangenen Jahren haben die Archäologen rund um die Nikolaikirche viel gefunden: darunter auch fast 1000 Jahre alte Holzkonstruktionen, die als Fundament der Neuen Burg dienten. Dank einer speziellen Untersuchung der Eichenstämme konnte der Bau der Festung aufs Jahr genau datiert werden: auf 1024. Damit ist sie deutlich früher erbaut worden als bisher angenommen.

Archäologen suchen „Neue Burg“ Hier wird Hamburgs Ursprung erforscht

Sie forschen nach den Toranlagen der „Neuen Burg“, einer Befestigungsanlage aus dem 11. Jahrhundert – auf deren Trümmern Hamburg später zur Handelsmetropole heranwuchs.

Seit Mitte November buddeln sich die Mitarbeiter des „Archäologischen Museums Hamburg“ am Großen Burstah/Ecke Hahntrapp (Altstadt) in die Tiefe. 20171212_181637Dort, 4,50 Metern unter dem Bürgersteig, liegen die gut erhaltenen Reste der Neuen Burg.

Gerade wurde dort ein Haus abgerissen. Die Wissenschaftler haben darunter die Reste von Häusern gefunden, die beim großen Brand von 1842 vernichtet wurde. Darunter und teilweise dazwischen befindet sich die Neue Burg.

Der Wall aus Holz war sechs Meter hoch und bis zu 27 Meter breit, er hatte eine Fläche von 3,2 Hektar. Vergangenes Jahr wurde auf dem Grundstück nebenan bereits gegraben und Teile der Anlage entdeckt und untersucht. An der neuen Ausgrabungsstelle tasten sich die Archäologen an Nähe der Toranlagen heran.

„Wir untersuchen die obersten Schichten des Holzwalls und erhoffen uns Informationen darüber, wann die Burg nicht mehr ausgebessert sondern aufgegeben wurde“, sagt Museums-Chef Rainer-Maria Weiss.

1000 Jahre ist es her, dass die Neue Burg entstanden ist. 170 Jahre später wurde auf ihren Trümmern die Neustadt errichtet – den Beginn der Entwicklung zur Handelsmetropole.

Bis Mai können die Archäologen weiterforschen, dann entsteht auf dem Eckgrundstück ein Neubau.

Was die Archäologen in dem Areal zwischen der Straße Neue Burg, der Trostbrücke und der Nikolaikirche jetzt noch zu finden hoffen, sind Spuren dieser ersten Kaufmannssiedlung: Fundamente vielleicht, Tonscherben, Baumstämme. Relikte, die Auskunft geben über das Leben im Mittelalter und der frühen Neuzeit.

Ein Jahr Zeit will sich Chef-Archäologe Weiss dafür nehmen. Anschließend müssen möglicherweise Teile der Hamburger Geschichte umgeschrieben werden.

Beitrag von Alisa Pflug, Simone Pauls, Olaf Wunder

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9 replies »

  1. Warum fällt mir beim lesen dieses interessanten Artikels bloß dieser Liedtext ein? (grins):

    Damals vor unendlich langer Zeit

    da machten wir Friesen am Wasser uns breit. Die Jahre vergingen wie Saus und wie Braus

    aber breit seh’n wir Friesen auch heute noch aus.

    An der Nordseeküste am plattdeutschen Strand sind die Fische im Wasser und selten an Land. An der Nordseeküste am plattdeutschen Strand sind die Fische im Wasser und selten an Land.

    Nach Flut kommt die Ebbe nach Ebbe die Flut

    die Deiche sie halten mal schlecht und mal gut. Die Dänen sie wandern am Strand hin und her

    von Grönland nach Flandern jedenfalls ungefähr.

    An der Nordseeküste …

    Die Seehunde singen ein Klagelied

    weil sie nicht mit dem Schwanz wedeln können so’n Schiet. Die Schafe sie blöken wie blöd‘ auf dem Deich

    und mit schwarzgrünen Kugeln garnier’n sie ihn gleich.

    An der Nordseeküste …

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  2. 50 Männer aus Flandern und Friesland sollten Hamburg damals quasi neu gründen, sagt Rainer-Maria Weiss, Chef des Helms-Museums, beim Pressetermin in der Krypta von St. Nikolai. Sie waren angeworben worden, um „eine echte Kaufmannsstadt“ aus der dünn besiedelten Fläche zu machen.

    So geht Geschichtsfälschung. Dabei weiß doch heute jedes Kind, daß Hamburg von Türken und anderen hochgebildeten Moslems gegründet wurde! :lol:

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  3. Verglichen mit unserer heutigen Zeit war das Mittelalter ganz schön düster.

    Ach ja? Wieso? Weil die damals noch kein elektrisches Licht hatten?? Denn abgesehen von den heute verfügbaren Konsumgütern war damals – verglichen mit unserer heutigen Unzeit – wohl so ziemlich ALLES geradezu strahlend hell!!

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    • @X
      Vor einiger Zeit sah ich eine Dokumentation. Es ging darin darum, mittelalterliche Kunstgegenstände in Kirchen zu restaurieren, unter anderem neu zu vergolden.
      Trotz aller moderner Technik und Hilfsmittel waren Spezialisten nicht in der Lage, haargenau die gleiche Vergoldung zu erzeugen wie damals. Sie wissen ganz einfach nicht, wie das damals gemacht wurde.
      So schlau sind wir heute !

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      • So schlau sind wir heute !

        Ja, und wir werden sogar noch jeden Tag schlauer! Seit wir unsere vermaledeiten ‚Vorurteile‘ abgelegt haben!! Beispiel: ‚Die Kuppler von Kandel‘ auf pi-news … es ist … für Menschen wie mich (Jg.’58) … einfach … nicht mehr faßbar! … was hier abgeht. Die (Eltern, Gemeinderepräsentanten, ‚religiöse Autoritäten‘ und alle Arten sonstiges ‚gebildetes Geschmeiß‘) bieten ihre Töchter – Kinder, die ihre Schutzbefohlenen sind und die viel zu unerfahren sind, um überhaupt auch nur ansatzweise kapieren zu können, welche Verbrechen hier mit ihnen geplant sind – regelrecht zu Benutzung an!! Und kriegen feuchte Unterwäsche beim Gedanken daran wie schweinegut sie heute wieder gewesen sind! Es ist … einfach nicht mehr zu fassen … :cry:

        Im Mittelalter war das natürlich alles viel dunkler. Da wurden die Töchter zu Zucht und Ordnung verdonnert bzw. angehalten, aber ganz bestimmt nicht dazu verschiedensten Sorten dunkelhäutigen Abfalls ihre Garage(n) als Parkplatz anzubieten. Gut, die hatten halt noch keine Aufklärung durch die ’68er erfahren. Noch ein Beispiel für das finstere Mittelalter, das mir gerade einfällt: Auf einer Seite – fragen Sie mich bitte nicht wann und wo? – habe ich mal über das Geldwesen im Mittelalter gelesen. Da gab es nämlich … ich glaube, jahrhundertelang … kein Zinswesen (man hatte damals sogar noch Vorurteile gegenüber Juden! Ist das zu fassen…??) und stattdessen ein Kerbholz…

        Ein Kerbholz, auch Kerbstock, Zählholz oder Zählstab genannt, ist eine frühzeitliche und mittelalterliche Zählliste; es diente meist dazu, Schuldverhältnisse fälschungssicher zu dokumentieren.

        Ein geeignetes längliches Brettchen oder ein Stock wurde mit Symbolen markiert. Anschließend wurde das Holz längs gespalten oder geteilt, so dass Schuldner und Gläubiger die an der Trennstelle zusammenpassenden Einritzungen auf ihrer Stockhälfte dokumentiert fanden. Meist erhielt der Gläubiger das längere Teilstück. Wieder zusammengefügt zeigte sich zweifelsfrei, ob die beiden Hälften zusammengehörten oder ob eine Hälfte nachträglich manipuliert worden war. Bei einem erneuten Zusammenlegen konnten bei Bedarf auch einvernehmlich weitere Markierungen angebracht werden. Außer Holz wurden zum Beispiel Knochen, und diese wohl schon seit der Altsteinzeit (Ishango-Knochen), verwendet.

        An einem bestimmten Termin (Zahltag) wurde das Kerbholz präsentiert, mit dem Gegenstück verglichen und der Schuldner zur Zahlung aufgefordert.

        Na, aber auch diese finsteren Zeiten sind heute glücklicherweise Vergangenheit, denn irgendwann haben uns die Juden, pardon, ich wollte sagen: Unsere jüdischen Freunde und Mitbürger, dann von dieser Rückständigkeit erlöst – zunächst über die Technik der wundersamen Goldvermehrung. Und später dann über die Technik der wundersamen Geldvermehrung. Die Technik der wundersamen Bevölkerungsvermehrung beherrschen wir mittlerweile selber ganz ausgezeichnet – und spätestens seit 2015 dürfen wir uns was dieses Fach angeht ohne jedes Vorurteil „Meister“ nennen… :cry: :cry:

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    • Eben und man spricht auch vom „goldenen Zeitalter“.
      Und die waren damals schlauer als heute. Geld gehört in die Wirtschaft, Stichwort periodische Münzumprägung, nicht unters „Kopfkissen“.
      Aber, wie immer versauen Ideologen die Zeitalter.

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      • Aber, wie immer versauen Ideologen die Zeitalter.

        Ja, die wollen halt auch nicht ganz nutzlos sein. Und brauchen das Gefühl gebraucht zu werden. Für alle anderen gibts dann – und ganz kostenlos – das Gefühl mißbraucht zu werden … :cry:

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  4. Ich empfähle Youtube-Kanal von „newearth“ und „Iveta Blömer“.
    Grand Tartaria ist ev. auch interessant.
    Die letzten 1000 Jahre können schon mal gut rekonstruiert werden – http://chronologia.org/en/how_it_was/

    Die Hauptarbeit der Geschichtsumschreibung fand zw. XV und XVII statt – also relativ jung.

    Viel Spass mit einer neuen Sichtweise.

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