Gesellschaft

Bio Eier kaufen, gibt Gutmenschen ein gutes Gefühl

Die Illusion ein anständiger Mensch zu sein, wird heute industriell aufbereitet

Beitrag vom 11.08.2017 – aktualisiert 21.02.2018

 Bio-Eier, da kommen Bilder in den Sinn von glücklichen Hühnern, die unter freiem Himmel im Sand scharren. Für die Vorstellung, etwas Gutes zu tun, zahlt der Verbraucher gerne 2,99 Euro für 10 Eier. Der Markt mit der Illusion boomt: Inzwischen werden in Deutschland jährlich 1,2 Milliarden Bio-Eier verbraucht. Viele werden unter erbärmlichen Umständen produziert, wie die ARD-Sendung „Exclusiv im Ersten“ aufdeckte.

Eigentlich müsste man bei jeder Fahrt übers Land überall gigantische Wiesen voller Hühner sehen, die mit glänzendem Federkleid nach Samen picken und frohgemut gigantische Mengen an Bio- und Freiland-Eiern legen. Jedes zehnte Ei, das in Deutschland gekocht, gebraten oder gerührt wird, ist bio.

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Auf den Gittern liegt ein Kadaver herum. Foto: hfr

Tatsächlich, so ergab die Recherche der ARD-Reporter, sind jedoch viele „Bio-Hühner“ zu Zehntausenden in industriellen Legefabriken eingepfercht. Bitteres Fazit: Die riesigen Mengen an Bio- und Freilandeiern, die wir in Supermarktketten und Discounter kaufen, können nur unter fabrikartigen Bedingungen produziert werden.

Wer sicher sein will, dass sein Ei von einem „glücklichen Huhn“ stammt, muss sich auf dem Wochenmarkt einen örtlichen Hühnerbauern suchen, ihm auf den Zahn fühlen – und auch mal fünfzig Cent pro Ei hinlegen. Besonders problematisch: Bio-Eier aus den Niederlanden. Sie tragen „NL“ als Landeskennung in dem obligatorischen Eierstempel. Der Stempel dokumentiert, ob ein Ei aus Bio-, Freiland- oder Bodenhaltung stammt – nicht jedoch, mit wie vielen Tieren sich die Henne den Stall teilen musste. In den Niederlanden gibt es Anlagen mit 100.000 Hühnern, deren Eier wir beim Discounter als „bio“ kaufen.

Erst am Dienstag riefen niederländische Behörden mehrere Millionen mit Insektizid verseuchte Freilandeier zurück, die auch nach Deutschland exportiert wurden. Laut Hamburger Gesundheitsbehörde ist Hamburg allerdings nicht betroffen.

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Weit davon entfernt von dem, was der Verbraucher sich unter einem „glücklichen Huhn“ vorstellt: Legehenne in einer „Bio“-Großanlage Foto: hfr

Als „Kronzeuge“ für die ARD-Produktion filmte Tierschützer und Undercover Journalist Jan Peifer vom Deutschen Tierschutzbüro, wie die Betreiber niederländischer Großanlagen die Zugänge zu den vorgeschriebenen Außenflächen mit Draht verschlossen haben.

Grund: Arbeitserleichterung. Der Kot Tausender Hühner ist leichter zu entsorgen und die Eier leichter einzusammeln, wenn das angebliche „Freiland“-Federvieh in der Halle bleibt.

 

„Bio ist mittlerweile auch Massentierhaltung“, so Peifer.

Er filmte „Bio“- und „Freiland“-Ställe“, in denen die Hühner in Etagen gehalten werden und nie die Sonne sehen. Die Aufnahmen von Hühnermassen mit ausgerupften Federn erinnern an die Schockbilder aus Zeiten der Käfighaltung.

In einem Stall in Niedersachsen, der zum Lebensmittelriesen „Deutsches Frühstücksei“ gehört, drehte Pfeifer sichtbar kranke Hühner. Die Herde sei„sehr alt“, ließ der Konzern daraufhin verlauten.

Eigentlich soll der „Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen e.V.“ (KAT) dafür sorgen, dass alle in Deutschland verkauften Eier den gesetzlichen Anforderungen entsprechen. Jan Peifer: „Bei Kontrollen durch KAT hätten die Gesetzesverstöße auffallen müssen. Aus unserer Sicht ist das Siegel wertlos.“

Guten Appetit

 

Quelle: mopo.de; Titelfoto: hfr

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5 replies »

  1. Die Bekämpfung der Bäuerlichen Feflüfehaltung beginnt in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts. Damals war Freilaufhaltung völlig normal. Damals traten Krankheiten auf, übertragen durch die Tatsache, das die Hühner überall ihren Kot ablesen. Aus Gesundheitsgründen, für Mensch und Tier, wurde die Stallhaltung, oder die Abschaffung der Hühnerbestände verordnet.
    Die wenigen Kleinbestände die dann über blieben, gehalten auf eingezäunten Grundstücken, hinterließen bei mir nie den Eindruck von „wirklich glücklichen Tieren“. Bei Wind und Wetter, zwar mit Zugang zu einem Unterstand, waren diese Tiere in allen Details den wiedrigkeiten des Wetters ausgesetzt.
    Die nächst größeren Bestände, wurden dann in kleinen und mittleren landwirtschaftlichen Betrieben gehalten. Gut betreut, denn sie dienten zum Lebensunterhalt der Familie. Hier kamen dann die Käfighaltungen ins Spiel.
    Aber auch andere Bewegpunkte, vorallem die Verbraucher jeder Pfennig pro Ei wurde als zuviel betrachtet, es entstand der Zwang immer billiger zu erzeugen. Aber auch die immer mehr aufkommenden Supermärkte taten ihr übriges, Preisdruck war immer mehr die Ursache das hier eine erste Agearindustrie entstand.
    Nachdem die innerdeutsche Grenze weg war, waren es oftmals genau diese Leute, die in Ostdeutschland die Großen Legehennenkombinate übernahmen, und diese „Industrie“ ausbauten. Dann wurde die EU nach Osten erweitert, und fiese Bestände wurden weiter nach Osten verlagert, und die Politik wurde benutzt um die hier ansässige Konkurenz auszuschalten. Es wurden hier Alibibestände gefördert, und die Masse wird weiterhin aus Beständen angeliefert, die Industriestandart haben.
    Das selbe wird in anderen Lebensmitrelbereichen im Bereich tierische Produkte immer mehr gemacht, und der Verbraucher mit angeblichen Bioprodukten immer mehr belogen und verarscht.

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  2. Tja, billig, billig, billig, geiz ist geil, das Beste von Besten ohne was dafür zu tun bzw zu zahlen, Man kann halt nicht alles in Leben haben, entweder man grift tiefer in die Tasche und isst vielleicht weniger oder man frisst weiter Tonnenweise Billigmüll ohne sich einzubilden, dass man toll ist weil Bio :)

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  3. Tja, billig, billig, billig, geiz ist geil, das Beste von Besten ohne was dafür zu tun bzw zu zahlen, Man kann halt nicht alles in Leben haben, entweder man greift tiefer in die Tasche und isst vielleicht weniger oder man frisst weiter Tonnenweise Billigmüll ohne sich einzubilden, dass man toll ist weil Bio :)

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  4. Bio hörte sich schon immer irgendwie schwuppig an . Liegt wahrscheinlich an „Bios Bahnhof“, die Sendung mit diesem Rotweinalki . :)
    Ist halt nicht überall Bio drin wo Bio drauf steht .

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  5. Immer wieder lassen sich die guten Menschen mit „bio“ und „öko“ ihr Geld freudig aus der Tasche ziehen. Zertifikate, Audits, Klassifizierungen sind beste Helfer dabei und ihnen wird blind geglaubt.

    In Restaurants und bei allen Burger-, Döner-, Inbißbuden wird vorbehaltslos Glutamat verzehrt und sich gefreut über den abgerundten Geschmack, der Hunger auf mehr macht.

    Zucker in vielen Variationen, sogar in der Wurst und in den meisten Salaten, Sossen, Gemüsen und Fleischgerichten wird unreflektiert akzeptiert. Bei Süssspeisen, welche naturgemäß Zucker enthalten ,wird dessen Menge großzügig dosiert. Zucker ist Geschmacksverstärker.

    Natürlich ist das Frühstücksei im Nobelhotel Bio! Und auch die leckere Tiramisu beim Nobelitaliener!

    Derweil dürfen die nächsten Biohühner ihre Vorfahren in Form von Federmehl u-ä. fressen, damit das Bio in der Familie bleibt.

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